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Electronic Disturbance Theater: Zapatistische Netzaktionen Bearbeiten

      * Electronic Disturbance Theater
Ecd bluering
In Reaktion auf ein paramilitärisches Massaker gegen aufständische Zapatisten sollte die Webseite des mexikanischen Präsidenten durch wiederholtes Aufrufen üebrlastet werden.

Die aus dem Critical Art Ensemble hervorgegangene Netzkunstgruppe Electronic Disturbance Theater (EDT)[1] automatisierte dieses Prinzip durch ein einfaches Javascript namens Zapatista Tactical Floodnet System.


      * Virtuelle Sit-Ins

Virtual SitIns bei denen das Zapatista FloodNet verwendet wurde, waren nicht auf die Zerstörung von Servern ausgerichtet. Die EDT-Aktivist/innen legten Wert darauf, dass sie weder Daten und Hardware beschädigten, noch in geschlossene Systeme eindrangen. Die massenhaften verteilten Anfragen sollten zu einer Störung des Datenflusses führen, der die globale Unterstützung für die Aufständischen in Chiapas elektronisch symbolisieren sollte. 1998 begann das EDT mit dieser Konzeption eine Serie von Sit-Ins gegen die mexikanische Regierung. Im April 1998 nahmen so 18.000 Personen, die über die ganze Welt verteilt waren, an einer virtuellen Demonstration gegen ein Massaker, das Paramilitärs in Acteal (Chiapas State, Mexiko) am 22. Dezember 1997 angerichtet hatten, teil. Das Programm FloodNet war für diese Aktion so angelegt, dass die TeilnehmerInnen des Virtual SitIns die mexikanischen Server belästigten mit Seitenaufrufen von Html-Seiten die nach den Namen von getöteten Zapatisten benannt waren. Diese Seiten gab es natürlich nicht auf dem Server, aber die Anfragen blieben im Logfile des Webservers gespeichert. Der Logfile wurde somit zu einer Art virtuellen Gedenkstätte für die Opfer des Massakers.


      * ars electronica

Im September 1998 veranstaltete das EDT während des ars electronica Festivals ein Sit-In mit dem Thema "information.macht.krieg" gleichzeitig auf den Servern der Frankfurter Wertpapierbörse, des Pentagons und der mexikanischen Regierung. Dies wurde zum Anlass für das Pentagon, diese Demonstration als Angriff im Sinne des Information Warfare aufzufassen, und im Gegenzug eine Attacke auf die "feindlichen" Rechner durchzuführen. Die US-Armee hatte ein "hostalapplet" programmiert, das für jeden Zugriff auf die Pentagon Webseite ein neues Browserfenster auf dem Rechner des Online-Demonstranten öffnete und diesen in kurzer Zeit zum Absturz brachte.


      * WEF goes offline

Das World Economic Forum ist eine Stiftung mit Sitz in Genf. Mitglied sind die 1000 grössten Konzerne der Welt. EDT organisierte zusammen mit Federation of Random Action einen Netzangriff auf die Seiten des WEF[2]. Die World Economic Fools, wie die WEF von EDT genannt wurden, trafen sich vom 31. Januar bis 4. Februar 2002 in New York. Der virtuelle Protest begann zeitgleich mit dem WEF am 31. Januar und endete zeitgleich am 4. Februar 2002. Wie üblich berieten die Narren der Welt über die weitere Aushöhlung von Menschenrechten, Naturschutzgesetzen, nachhaltiger Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit zu planen, alles im Namen von immer größer werdenden Profiten. Durch die Störung ihrer elektronischen Infrastruktur, sollten die WEF-TeilnehmerInnen mitbekommen, dass Menschen sich weltweit einmischen.


      * Swarm The Minutemen 

Das EDT rief zu einem dreitägigen virtuellen Sit-In in Solidarität mit anderen Aktionen gegen die Minutemen vom 27. bis zum 29. Mai 2005 auf - Swarm The Minutemen. Über 78,500 Menschen aus der ganzen Welt beteiligten sich an der gewaltlosen Massenaktion[3] auf den Seiten der Minutemen. Die Minutemen[4]sind eine private Miliz, die an der US-amerikanischen und mexikanischen Grenze bewaffnet Patrouillengänge unternimmt,um Migranten davon abzuhalten, über die Grenze zu kommen. Gleichzeitig wurde dazu aufgerufen, rund um die Uhr bei den Minutemen anzurufen und ihnen Faxe und Emails zu schicken. Ausserdem gab es eine Lärmaktion direkt an der Grenze. Damit sollte erreicht werden, dass die Minutemen aufgrund des Lärms die Migranten nicht hören und finden können.


      * Virtueller Sit-In beim G8+5 Treffen in Mexiko

Zusammen mit dem borderlands Hacklab[5]und Rising Tide North America riefen EDT zu einer virtuellen Sitzblockade während des G8+5 Treffens in Mexiko am 3.-4. Oktober 2006 auf. Die Aktion richtete sich gegen die Webseiten der G8+5 und der mexikanischen Regierung. Während die mexikanische Regierung auf der einen Seite versuchte sich als Gastgeber der G8+6 Gespräche der G8 Energieminister zum Klimawandel anzudienen, führte sie parallel massive gewalttätige Angriffe gegen die protestierenden Menschen von Oaxaca durch. Die sogenannte Energiesicherheit basiert auf Kohle und Öl und führt zur Erwärmung des Planeten. Wie bei vorhergehenden Aktionen, konnten Leute aus aller Welt durch ihre virtuelle Präsenz zeigen, dass sie mit den G8 Verhandlungen und dem Vorgehen der mexikanische Regierung nicht einverstanden sind. Gleichzeitig sollte die Verbreitung von neoliberaler Propaganda auf den anvisierten Webseiten mit der Aktion gestört werden.


      * Transborder Immigrant Tool

In den letzten Jahren hat EDT, die sich nun Electronic Disturbance Theater 2.0 nennen, ein neues Programm entwickelt, das MexikanerInnen helfen soll die illegal in die U.S.A. einreisen möchten[6]. Dabei handelt es sich um eine Anwendung für Mobiltelefone mit der Bezeichnung Transborder Immigrant Tool, also einem Werkzeug zur Grenzüberschreitung für Einwanderer. Es funktioniert nach dem selben Prinzip wie Foursquare, einem auf GPS basierendem sozialen Netzwerk das es ermöglicht die geographischen Positionen der Mitglieder des Netzwerkes untereinander mitzuteilen. Das Transborder Immigrant Tool ist ein Projekt bei dem es darum geht gebrauchte Motorolla Mobiltelefone zu kaufen und eine Software darauf zu installieren, die es dem Benutzer erlaubt das GPS Signal zu empfangen ohne einen Mobilprovider zu haben[7]. Mit der Software können sichere Orte in der U.S.-mexikanischen Grenzregion gefunden werden, z.B. Orte an denen Wasservorräte gelagert werden. Highways und Grenzposten sind auf der Karte verzeichnet und das Tool dirigiert den Einwanderer zum nächsten sicheren Ort, wobei das Mobiltelefon noch Gedichte vorliest und Informationen zum Überleben in der Wüste gibt. Das Transborder Immigrant Tool dient also in erster Linie zur Verortung des eigenen Standpunkts und soll helfen die Begegnung mit Grenzkontrollen zu vermeiden. Transborder Immigrant Tool ist ein Beispiel für "Unterwachung" - also im Gegensatz zur Überwachung eine Beobachtung von "unten", die von den Menschen an der Basis vorgenommen wird. Die mexikanischen Einwanderer erhalten Informationen, die ihnen eigentlich nicht zugänglich sind und das Tool erhöht so ihre Chance über die Grenze zu kommen.


WebLinks Bearbeiten

  1. http://www.thing.net/~rdom/ecd/ecd.html
  2. http://www.thing.net/~rdom/ecd/fools.html
  3. http://www.swarmtheminutemen.com
  4. http://minutemanproject.com
  5. http://sdhacklab.org
  6. http://en.wikipedia.org/wiki/Electronic_Disturbance_Theater
  7. http://www.digicult.it/digimag/issue-062/no-borders-struggles-the-electronic-disturbance-theatre-2-0/
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